1 – Ein teuflischer Plan …

Was war geschehen? Kurz nachdem Allen, Ilt, Bridget, Susan und unser Freund der Baum in den Abgrund sprangen und buchstäblich vom Erdboden verschluckt wurden,  standen die Verfolger nur dumm rum. Die ersten von dem Haufen Wald sprangen hinterher, jedoch schloss sich das Portal vor Ihnen und sie zerbarsten mit lautem Getöse in tausende von Holzsplitterchen.  Die kleinen Würmchen, die ihnen das Leben einhauchte, verkrochen sich in die Erde zu ihrem tobsüchtigen Herrscher, dem Cleaner, zurück. Die anderen Würmchen taten dies nach und die restlichen Bäume schlugen wiederWurzeln. Eigentlich könnte der Cleaner der uns bekannten Welt zufrieden sein, denn jetzt sah die Welt wieder so aus, wie sie auszusehen hatte, bis auf ein paar Leichen, für die die Menschen aber eine „normale“ Erklärung finden würden. Aber das war er leider ganz und gar nicht. Es lief nicht nach seinem Willen. Nicht nur, dass er wütend war, dass sich ein anderer Cleaner eingemischt hatte (den wer sonst könnte so ein Portal erschaffen, dass Zugang in eine andere Welt gewährte), sondern auch was das für seine Karriere bedeutete, wenn der andere Cleaner vor dem Ausschuss der Cleaners petzen würde, nach welchen „unnormalen“ Methoden er griff, um seine Welt „normal“ erscheinen zu lassen. Er hatte bis dato eine so blütenreine weiße Weste (zumindest konnte er alles andere vertuschen) aber jetzt? Was würde geschehen, gerade mit seiner beruflichen Karriere? Vielleicht würde er (straf-)versetzt auf irgendeine Welt voll Eis wo sich Einzeller „Guten Tag“ und „Gute Nacht“ sagen würden. Und nun, er musste es irgendwie vertuschen … und er schmiedete auch schon einen Plan. Er musste den Cleaner der anderen Welt diskreditieren. Irgendetwas finden, was bei ihm nicht so lief wie es sein sollte und wenn es da nichts gab musste es eben veranlasst und verschlimmert werden. Er musste den Ruf des anderen Cleaners zerstören. So dass ihm der Rat keinen Glauben mehr schenken würde. Sein Tobsuchtsanfall weit unter der Erde, der die Menschheit in Form von erhöhten und beunruhigenden seismischen Aktivitäten wahrgenommen wurde, ebbte ebenso schlagartig ab, wie er begonnen hatte. Der Cleaner hatte einen teuflischen Plan entwickelt, der ihn zum hämischen Grinsen brachte. Ein Glück das dies niemand beobachten konnte. Denn dann hätte der unglückliche Zeuge dieses grotesken Anblicks schlagartig nicht nur sein Augenlicht, sondern auch seinen Verstand verloren[Tobias Sc1]  …

 

Feuchtigkeit – Allen spürte nichts als Feuchtigkeit um ihn herum. Diese Nässe teilte er mit seinen anderen Wegbegleitern und einem Baum. Alle fuchtelten wie wild in dem Wasser umher, Richtung Oberfläche. Doch wo war oben? War er auf dem Weg nach unten? Seine hektisch aufsteigenden Luftbläschen verrieten ihm, wo die Oberfläche war. Also nichts wie Ihnen nach … Licht, traumhaftes Licht der Sonne. Mit einem hektischen Ruck tauchte er auf. Nach nie hat der nun einströmende Sauerstoff so sehr nach frischem Leben geschmeckt. Unbeschreiblich schön. Manche Dinge weiß man eben erst zu schätzen, wenn man auf sie plötzlich verzichten muss. Vor allen Dingen wenn es sich dabei um lebenswichtige Dinge hielt. Der einzige, der in dem See stand, war der Baum. Und das mit einer Lässigkeit … kein Wunder, er ragte ja auch aus dem  See hinaus. Doch was war geschehen? Er blickte sich um, sah in vertraute Gesichter. Darunter zwei attraktive Frauen. Jede auf ihre Art. Sehnsüchtig blickte er zu Susan, fühlte sich jedoch verpflichtet Bridget zur Hilfe zu eilen, die eigentlich ganz gut alleine zu Recht kam, allerdings doch sehr erleichtert war, einen Beschützer in dieser wahnwitzigen Situation zu haben und sich ihrer Rolle als zu errettende Frau gemäß an ihn schmiegte. Ihr Oberteil war mit Wasser durchtränkt und er kam nicht umhin, ihre gar zauberhaften weiblichen Vorzüge nun genauer unter die Lupe nehmen zu können. Aber wir schweifen ab. Was war geschehen. Er erinnerte sich. Sie wurden von Bäumen gejagt, ein Baum rettete sie und Ilt faselte irgendetwas von einem Portal. Sie sprangen in die Tiefe in ein bombastisches Licht. Wurden sanft aufgefangen, von einem sie beschützenden Schleier umhüllt und sanft durch anhaltende Glückseligkeit getragen auf die Erde abgelegt, welches mit einem abrupten Verschwinden des schützenden Schleiers und durch kühles Nass des Sees endete. Und nun? Wo waren sie? Alles sah aus wie zuvor. Nur die sie jagenden Bäume waren verschwunden. Zumindest konnte man an der Klippe niemanden sehen. Und was war mit ihrem Baum? War er nun auch wieder normal? Er rührte sich nicht. Allen sprach mit wenig mit Tendenz zu eigentlich gar keiner Überzeugung, dass er sich jemals wieder bewegen würde: „Hey Baum, bring uns doch bitte an Land!“ Gerade wollte er mit seiner Hand die ganze groteske Situation abwinken, da raschelten plötzlich seine Blätter und pfeilschnell schossen die „Arme“ (bzw. die Äste) so schnell um die im Wasser herum strampelnden Kollegen einschließlich ihn selbst und trugen alle an die Küste. „Abgefahren, er gehorcht Dir, wie ein Schoßhündchen!“ rief Bridget erstaunt und brüskiert amüsiert. „Ich glaube nicht, dass ein mächtiger Baum, der durch eine rasante und nicht für möglich gehaltene Evolution plötzlich einen Geist und einen aktiven Körper entwickelt und uns schließlich vor seinen Artgenossen die freie Entscheidung trifft und uns rettet, ein Schoßhündchen ist!“ erwiderte in einer unerwartet charmanten herab lässigen Art Susan. Mittlerweile war der Baum ein kleines Stückchen durchs Wasser an einen schönen und vor allem trockenen Ort der Küste mit großen ruhigen und doch schnellen Schritten gewandert, und ließ seine diskutierende Fracht sanft auf dem Erdboden ab. „Wo sind wir?“ sprach Allen an Ilt gewandt, um zum einen einen aufkeimenden Streit der beiden Damen zu unterbinden, und zu anderen, weil ihn wirklich interessierte wo er war. Da alles eigentlich genauso aussah wie vorher. Nur  mit dem Unterschied, dass er sich jetzt sicherer fühlte … vorerst. Ilt blickte abwechselnd auf seine Uhr … Verzeihung … sein Omeziometer und dann wieder in den Himmel und die Umgebung. Schließlich steckte er Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand in seinen Mund, befeuchtete sie und reckte sie schließlich weit hinaus in die Luft und sprach: „Meinen Berechnungen zu Folge fand ein Raum-Sprung statt. Nein, das ist nicht ganz richtig … Es fand ein Sprung zu einem Parallelpunkt im Raum statt.“ Dabei klang er so fasziniert, wie ein kleines Kind, das gerade beobachten durfte, wie Schokolade in einer Fabrik hergestellt wurde.

Allen: „Das ist ja alles schön und gut … aber kannst Du das bitte auch mal im Klartext sagen?

Ilt: „Na gut, na gut. Klartext: Wir sind im Endeffekt genau da, wo wir vorher auch waren bzw. sein müssten. Nur mit einer sanfteren Landung. Und, das wir nicht auf der Welt sind, auf der wir sein müssten, sondern einer Parallelwelt, wenn Du so willst: Die Erde Nr. 2. Auch wenn die Nummerierung natürlich immer vom Betrachter abhängt Das Gute ist, dass Omeziometer zeigt keine Gefahr.

Also ist der Baum hier unser Freund?“ fragte Bridget erleichtert.

Jepp!“ erwiderte Ilt, was soviel wie „Ja“ bedeuten musste.

Warum sind wir hier?“ fragte Bridget.

Das ist eine sehr gute Frage … um nicht zu sagen eine verdammt gute Frage. Willkommen in meinem Leben! Nach jedem Sprung in eine andere Welt frage ich mich immer erst mal: Was ist meine Mission? Und die im hohen Maße unbefriedigende Antwort ist zunächst fast immer die gleiche: ICH WEISS ES NICHT!

 

Hey alles in Ordnung?“ Allen beobachtete, wie besorgt (oder war es nachdenklich) Dr. Susan Popheila auf den Fluss blickte. Sie waren mittlerweile an einem angenehmen Stück des Flusses angelangt. Eigentlich sah alles ganz friedlich aus. Wenn sie nicht pitschenass wären und schier unglaubliches gerade erlebt hätten.

Ganz gut … naja, wenn man bedenkt dass ich mit meiner Theorie eines lebendigen Baumes recht hatte und er in seiner ganzen Pracht vor mir steht und ich meinen guten Ruf als Wissenschaftlerin doch nicht wiederherstellen kann, wo ich doch in einer anderen Welt hier festsitze!“  sagte sie in einer wirkungsvoll gespielten  Gelassenheit, obwohl sie innerlich zerrissen war.

Allen erwiderte: „Aber ist das wichtig? Können sie nicht jetzt die Chance Ihres Lebens nutzen und diesen lebenden Baum und die restlichen total verwirrenden Sprunglöcher in freier Wildbahn untersuchen? Hey, sie sind Wissenschaftlerin. Ist ihr Ruf wichtiger als die Wissenschaft?“

Ein kleines aber doch so bezauberndes, da erstmaliges Lächeln tauchte auf dem Gesicht von der abgebrühten ehrgeizigen Wissenschaftlerin Dr. Susan Popheila auf und blickte Allen verschmitzt an: „Sie haben Recht! Mein Gott wie recht sie haben! Fokussieren auf die Wissenschaft und nicht dieser emotionale Schwachsinn vom Verfallen ins Selbstmitleid! Ich werde alles genau untersuchen. Ja! Aber dazu brauche ich Geräte …“ Sie blickte zu dem Baum: „… und dieses Prachtexemplar!“ Es schien so als raschle der Baum vergnügt, es könnte aber auch die leichte Brise des Windes, der diesen Fluss begleitete, gewesen sein.

Welche Ausrüstung?“ fragte Allen.

Susan: „Na die in meiner Hütte!

Bridget mischte sich ein: „ Die Idee mit dem Unterschlupf in der Hütte ist ja nicht schlecht. Aber ich bin strikt dagegen diesen Baumkiller mitzunehmen!

Susan erwiderte nachdenklich: „Ich glaube nicht das er ein Killer ist. Er hat uns doch beschützt! Es gibt da nur ein Problem …“

„… das wir nicht wissen, ob ihre Hütte in dieser Parallelwelt existiert. Und wenn …“ unterbrach Ilt.

… dann ist es nicht sicher ob dies auch meine Hütte ist und selbst wenn, ob ich auch in dieser Welt eine Wissenschaftlerin bin!“ setzte Susan wieder fort.

Beeindruckt meinte Ilt: „Ganz genau! Aber einen Versuch wäre es wert!

Aber was passiert, wenn unsere Dr. Popheila auf die andere ‚Was-auch-immer‘-Popheila trifft? …“ merkte Allen besorgt an. „… zerbersten dann alle Welten mit einem bombastischen Urknall?

Ilt blickte amüsiert: „Mr. Fine, ein bissen weniger theatralische Dramatik bitte … !

Und? Was passiert denn wenn zwei identische Personen zweier Welten aufeinander treffen?“ klinkte sich Bridget wieder besorgt in das Gespräch ein.

Ilt meinte ein wenig nachdenklich: „Na entweder das, oder die beiden wären ganz schön verwirrt!

Ich dachte sie wären Experte! Das ist ja mal wieder typisch, nur Dilettanten um mich herum!“ fauchte Bridget. „Egal, bringen wir es hinter uns, also wichteln sie uns zur Hütte sie mieser kleiner Zwerg! Sie machen mir keine Angst!“  setzte sie fort.

Übertrieben freundlich erwiderte Ilt: „Gnom gnädigste … nicht Zwerg. Also los zum Transport!

Sie kamen in einen kleinen Kreis, Ilt bediente das Omeziometer. Es fing an zu summen. Es wurde immer lauter. Ein starker Wind kam auf. Alle Beteiligten schlossen die Augen vor nervöser Anspannung vor dem Sprung. Dann machte es ganz laut „Plopp!“ Wo war der sanfte Schleier? Wo war das leichte Anheben vom Erdboden? Sie machten die Augen auf. Sie waren immer noch an derselben Stelle wie zuvor. Sie alle … Alle außer Ilt. Er war verschwunden!

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Kapitel II – Die andere Welt …

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.

Bertold Brecht

 

Was bewegt einen Mörder zum Morden? – Die Entschlossenheit

Unbekannt

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20 – Home Sweet Home

Dr. Susan Popheila saß am Küchentisch vor einer frisch aufgebrühten Tasse guten heißen, schwarzen Kaffees und blickte in den noch aufsteigenden Dampf. Sie blickte lange und intensiv in dieses äußerst dunkle braun, dass fast in schwarz überging. So, als ob Sie eine Antwort zu finden hoffte: „Na toll, jetzt sinniere ich schon vor einer Tasse Kaffee. Als ob ich aus dem Kaffeesatz etwas lesen könnte. Ausgerechnet ich. Eine einstige Koryphäe der Wissenschaft. Und jetzt verspottet! Langsam fange ich wirklich schon an, an das Paranormale zu glauben. Diese Spuren wiesen aber auch genau darauf hin, dass sich die Bäume aus dem Boden herausdrückten, und nicht herausgezogen wurden. Und dann diese Fährte …“ Ihre irrational werdende Gedanken wurden durch ein beklemmendes Gefühl der Bedrängnis abgelöst. Es kam ihr so vor, als würden die Balken ihres Holzappartements durch knarzende Begleitgeräusche bedrohlich nähern. Tatsächlich aber kamen die ungewöhnlich knarzenden Geräusche von außen. Sie blickte aus dem Fenster. Die Bäume bewegten sich sanft in dem plötzlich aufkommenden Wind und der Boden begann nun leicht zu Vibrieren.  Sie hielt es nicht mehr länger in ihrem Waldhäuschen aus. Obwohl dies durchaus geräumig war, erschien es ihr im Moment zu erdrückend. Sie schnappte sich ihre Jacke und ging nach draußen, denn dies schien ihr eine gute Gelegenheit, sich von der nunmehr ziemlich wahrscheinlich beginnenden Verrücktheit abzulenken. Als sie auf der Veranda angekommen war, erblickte sie mit ziemlichem Verdruss den überfüllten Briefkasten. Wozu sich in diesem Waldhäuschen  verstecken, wenn einen die Öffentlichkeit doch einholte. Okay, das war zu viel des „Guten“.  Sie machte eine Kehrtwendung, ging wieder hinein, schnappte sich die Autoschlüssel vom Beistelltischchen neben der Tür, in der Absicht sich ins Auto zu setzen und sich nach einem neuen Versteck um zu suchen.  Aber wenn sie ganz ehrlich war, wollte Sie nicht nur vor der Öffentlichkeit und der damit verbundenen Probleme, sondern ganz sicher auch von ihr selbst und deren unfassbaren und total verrückten Entdeckung fliehen. Als Sie sich erneut Richtung Tür umdreht und erneut auf die Veranda trat, erstarrte sie. Ihr Mund öffnete sich und völlig fasziniert, erstaunt, verängstigt und mit dem Gedanken des Verrücktwerdens blickte sie in die Ferne. Am Horizont meinte sie Bäume zu erblicken. Bäumen, die sich bewegten. Anfangs dachte sie noch der Wind wäre so stark, das die Baumkronen nur hin und her wankten. Aber die Baumkronen bewegten sich und kamen auf sie zu. Immer noch unsicher ob ihre Fantasie nicht doch ihr einen Streich spielte, zumal es wirklich weit, weit weg war. Das musste sie genauer wissen. Sie löste sich aus ihrer Erstarrung, rannte zu ihrem Wagen – ein dunkelblauer erstklassiger TOYOTA Geländewagen, dem anzusehen war, dass er schon so manchen Hürde im Gelände hinter sich bringen musste – und stieg ein.  Der Motor heulte auf und sie steuerte auf die bedrohlich näher kommenden Bäume zu, ohne zu ahnen, dass diese sie vernichte wollten, und zwar alle … alle, bis auf einen …

 

Allen, Ilt und Bridget standen am Wegesrand und diskutierten wild gestikulierend. Es fiel das eine oder andere Schimpfwort und aufkeimende Verzweiflung stieg bei allen Beteiligten auf. Wenn auch bei jedem aus einem anderen Grund. Aber Ilt sah noch Hoffnung in  seiner Mission. Er dachte, wenn nur endlich Allen und Bridget aufeinander trafen (und diesmal überlebten) würde alles gut. Warum wusste er auch nicht so genau. Nennen wir es mal gnomenhafte Intuition.

 

  • Intuition, gnomenhafte [die] … Wurde gestrichen, auf Grund von fehlenden wissenschaftlichen Fakten

 

Doch so langsam schien auch bei Ilt die Realität an seiner omnipotenten Hoffnung zu kratzen. Denn sein Allen wollte nicht so, wie er wollte. Also wurde er extrem ungeduldig und aufsteigender Zorn machte ihn sehr wütend. Hinzu kam noch die nicht einkalkulierte Bridget. Die allein von ihren sexuellen Reizen den männlichen Verstand und die männliche feinfühlige Wahrnehmung der Umgebung erheblich im negativen Maße beeinflusste. Plötzlich packte er Allen sehr sehr flink und mit einer Körperkraft, die man ihm gar nicht zugetraut hatte, am Arm und rief in einer rauen und auf einmal sehr sehr tief und bedrohlich klingenden Stimme: „Mitkommen!“.  Allen war extrem überrascht. Doch auch Allen wurde durch die momentane Situation verändert. Sein Testosteron-Spiegel war extrem erhöht. Dies war seiner steigenden Libido-Aktivitäten zu verdanken. Bridget tat ihr übriges dazu. Sie blickten sich in die Augen und eine Spannung lag in der Luft. Wie zu High-Noon, kurz vor einem  Kampf um Leben und Tod. Der Kampf David gegen David bzw. Goliath gegen Goliath, aber keineswegs David gegen Goliath, stand kurz davor auszubrechen …

 

Allmählich wurde es ihm zu bunt. Jetzt liefen seine Artverwandten so schnell, als ob es um Leben und Tod ging. Sie durchstreiften mittlerweile mehrere Wälder. Und während sie diese durchstreiften, konnte unser mit Bewusstsein erfüllter Baum beobachten, wie andere Bäume hinzukamen. Kleine Würmchen stiegen aus dem Morast zu tausenden und abertausenden, krochen in die noch ruhenden Bäume und erfüllten diese mit Leben – mit grausamen, blutrünstigen Leben … Sie zerstörten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Sie alle hatten ein Mission. Ein Ziel. Er spürte, dass sie auf dem Weg waren, jemanden oder etwas zu zerstören. Das durfte nicht geschehen. Er musste eingreifen. Doch zunächst durfte er nicht auffallen. Er musste sich anpassen. Auch wenn nur zum Schein. Er nahm all‘ seine Kraft zusammen, er musste bei den ersten sein. An der Front, um rechtzeitig eingreifen zu können.  Er lief was er nur konnte. Nun war er sich absolut sicher, nicht mehr zu der Masse der mordenden Bäume zu gehören. Er sah zwar so aus wie sie, war aber doch anders. Er war einzigartig. Er war individuell. Einzigartig und frei … glücklich! Er war ein INDIVIDUUM! …

 

Dr. Susan Popheila traute nach wie vor Ihren Augen nicht. Bewegende Bäume! Überall! Und es wurden immer mehr, die sich bewegten. Hunderte, Tausende! Und von allen Seiten. Sie hatten ein Ziel. Aber welches. So vertieft in Ihre Beobachtungen und Gedanken bemerkte sie nicht wie der Wagen immer schneller fuhr. Sie wurde wachgerüttelt, als der Waldweg in einer sehr steilen Kurve mündete. Gerade so nahm schaffte Sie es, die Geschwindigkeit, wenn auch nur leicht, zu drosseln und abzubiegen. Am Ende der Kurve tauchten plötzlich mitten auf der Straße stehend drei Gestalten auf. Sie versuchte zu bremsen …

 

In letzter Sekunde erkennt Ilt die Gefahr des herannahenden Wagens und schleudert Allen, dessen Arm er bereits in seinen Händen hält, an den Rand der Straße. Bridget war Gott-Sei-Dank schon so geistesgegenwärtig, und sprang von allein zur Seite. Die Reifen des Wagens quietschten. Ilt erkannte die Fahrerin und war für den Bruchteil einer Sekunde so perplex, Dr. Susan Popheila hinter dem Steuer zu sehen, dass seine Reaktion für einen Moment nachließ.  Das Auto erfasste Ilt für kurze Zeit, dann entmaterialisierte er und erschien augenblicklich einige wenige Meter weiter hinter dem Unfallort. Völlig perplex. Anscheinend reagierte das Omeziometer für ihn und teleportierte ihn aus der Gefahrenzone, denn er hatte es nicht ausgelöst. Konnte das sein? Hatte das Omeziometer eine Sicherheitsfunktion für seinen Träger? Oder war es vielleicht eine Art Lebewesen mit Gefühlen, die für ihn Sympathie entwickelten? Was davon war wahrscheinlicher? Er konnte sich einfach nicht mehr daran erinnern, obwohl er das Gefühl hatte, schon mal wesentlich mehr gewusst zu haben …

 

Was nunmehr passierte lässt sich einfach beschreiben. Die Situation war für alle Beteiligten äußerst skurril doch auch vertraut. Ihn kam es so vor, als ob ihre Begegnung richtig war. Nun ja, allen,  bis auf Bridget. Trotz der beunruhigenden Situation, die um Sie herum herrschte, kam ihnen ihr Treffen so vertraut vor und fühlten sich ineinander bzw. aneinander geborgen. Sie stellten sich einander vor, schilderten die Situation … und als Allen Fine Dr. Susan Popheila in die Augen sahen, schlug ihr Herz vor Erregung schneller. Sie wären sich wahrscheinlich um den Hals gefallen, wenn nicht, tja wenn nicht … nun ja, Bridget sich nicht an Allen geklammert hätte und so den Eindruck erweckte, als wären diese ein vertrautes Paar. Also rissen sich Susan und Allen zusammen, ohne voneinander zu wissen, wie sehr sie doch einander bestimmt waren und wie schwer es ihnen beiden doch fiel. Bedauerlicherweise wurde dieses Treffen schon bald durch das Surren des Omeziometers, des wachen Ilt und durch die immer näher kommenden Bäume gestört. Gerade als Sie sich alle in den Geländewaagen begeben wollten, um das Weite zu suchen, begann es unter Ihnen noch heftiger zu Beben als zuvor. Auch das aufkeimende Dröhnen einer gewaltigen furchteinflößenden Stimme in Ihren Köpfen, erinnerte Sie an ein ähnliches bereits schon einmal aufgetauchten Erlebnisses. Ilt, Allen und Susan riefen wie aus einem Mund „Raus aus dem Wagen!“ Bridget konnte nur staunen über diese plötzliche gemeinsame Intuition und Einigkeit der drei. Sie schloss sich der Empfehlung den Wagen schnellst möglichst zu verlassen an und dies war auch gut so. Denn einen Augenblick später durchbrach der Erdboden unter dem Waagen und eine riesige Klaue zerquetschte den Wagen, so als sei er aus Papier, vor ihren Augen. Schnell rappelten Sie sich wieder auf, bleich aber auch hochkonzentriert und mit geschärften Sinnen, wenn auch nur aus Angst. In Ihren Köpfen hörten Sie ein ohrenbetäubendes Fluchen, aber auch ein bestialisches Grunzen voller Vorfreude: „HIER UND JETZT HAT ES EIN ENDE … IHR WERDET ZERQUETSCHT … DANN IST DIE ORDNUNG MEINER WELT WIEDER HERGESTELLT! DIE WELT EURES CLEANERS!“ Das Dröhnen in ihrem Kopf war sehr schmerzhaft. Dagegen half leider auch kein Ohren verschließen. Ilt sah mit schmerzverzerrtem Gesicht, wie sich all‘ seine Schützlinge um Ihn herum vor Pein krümmten und wie ein Baum sich blitzschnell und ebenso bedrohlich auf sie stürzte. Für den Einsatz des Omeziometers war es nun zu spät. Die Erde bebte unter Ihnen erneut und alle wussten was dies bedeutete: Das Ende … und diesmal das wirkliche Ende. Keine Raum- Zeitsprünge mehr, wenn Ilt terminiert wird. Sie alle spürten, wie bereits die ersten Finger der Klaue den Boden durchbrachen … alle schlossen die Augen!  Dann spürten sie einen Ruck. Nicht etwa von etwas, dass sie nach unten zog und unter hämischen Gelächter in Ihren Schädeln zerquetschte … nein, etwas holziges, dass sie sanft nach oben hob. Ranken, die sich um ihre Körper sanft schlängelten, um Halt zu geben und Blätter an deren Ende, die über ihren Körper beruhigend streichelten. Unser Freund der Baum, der gerade festgestellt hatte, wie einzigartig es doch war ein Individuum zu sein, hatte endlich seinen Weg gefunden. Und der hieß genau das Gegenteil seiner ehemaligen Artgenossen zu tun. Nämlich Lebewesen in Not zu retten. So langsam dämmerte es Ilt, Allen, Susan und Bridget dass sie soeben von einem dieser „Killer“-Bäume gerettet wurde, der es anscheinend gut mit Ihnen meinte. Erstaunlich wie schnell so ein lebendig gewordener Baum laufen konnte und dazu auch noch so geschmeidig und mit riesigen Sprüngen wie die einer anmutigen Raubkatze. Dies war auch notwendig. Denn einige seiner weniger freundlich gesinnten Artgenossen stellten sich ihm in den Weg und er musste ihnen ausweichen. Immer schneller schien er zu werden. Er es, was-auch-immer, musste eine solche Begeisterung in seinem Tun spüren!  So schnell wie noch nie durchstreiften sie die Wälder. Selbst die größten Hindernisse der Natur wurden zum urbar gemachten Spazierfahrt. Doch Ilt erkannte, dass er in eine Sackgasse in Form einer riesigen Schlucht lief und seine bösen Kollegen kamen leider ebenso problemlos wie er schnell voran und somit immer näher.  Allmählich bemerkten es die anderen auch. „Wo will er hin?“ sprach Allen. „Oh mein Gott, wir sterben!“ rief Bridget. Ilt blickte nur verzweifelt aus der Wäsche. Er war mit seinem Latein auch am Ende. Schließlich sollte er die beiden zusammenführen. Das war seine Mission. Naja, zum Teil, zusammengeführt hatte er sie ja schon ein paarmal. Aber sie sollten endlich mal überleben. Nur wie, wenn ein so mächtiges Wesen wie der Cleaner in rasender Geschwindigkeit überall auf dieser Welt sein konnte. Skurriler weise nahm die Gefahrenanzeige des Omeziometers ab, obwohl sie geradewegs auf eine Schlucht zurasten. Aber sollte genau dies die Antwort sein? Ein Cleaner dieser Welt jagte sie, nirgends auf dieser Welt waren sie sicher …. Na dann mussten sie in eine andere Welt. Schließlich kam er ja auch von einer anderen Welt. Zumindest fühlte er sich so. Aber wie sollten sie in eine andere Welt gelangen und welche Welt war sicher? Er wusste, tief in seinem Geist kannte er die Antwort. Wenn er sich doch nur erinnern könnte. Er wurde aus seinen Gedanken durch Susan gerissen: „Seht, in der Tiefe der Schlucht, dieses Licht!“ Der Baum war mittlerweile zum abrupten, wenn auch sanften Stehen am Rande der Schlucht gekommen. Unten, sehr tief unten, war ein See, an dem sich die untergehende Sonne des Horizonts zu spiegeln schien. Aber Ilt’s Gedanken im Hinterkopf meldeten sich und wussten es besser. „Ein Portal. Ich muss es Aktiviren!“ rief Ilt. Wenn ihm doch nur einfallen würde wie. Bestimmt irgendetwas mit dem Omeziometer, aber wie? Allen rief: „Egal, was Du jetzt aktivieren musst. Tu es jetzt, die anderen Bäume sind schon bedrohlich nah!“ Ilt schloss die Augen. Er ging in sich und dann, dann berührten verspielt seine schlanken langen eleganten Fingerchen das Omeziometer. Sie spielten eine Sinfonie darauf. Ein Rädchen hier gedreht, ein Knopf da gedrückt, ein leichter Klaps auf dieser Seite ein entschlossener Druck auf jener Seite … also nichts für Grobmotoriker. Und schon, schon öffnete er seine Augen wieder, da die sich spiegelnde Sonne in einem noch märchenhafteren Glanz erstrahlte. Alle auf dem Baum sitzend; Bridget, Susan, Ilt und Allen riefen zu dem Baum völlig perplex über die mögliche Konsequenz dieses Imperativ: „Spring!“. Und so tat es dann auch der Baum. Er sprang. Sie stürzten in die nicht enden wollende Tiefe, auf das Licht zu. Gerade jetzt erinnerte sich Allen an seinen zynischen Satz, den er an einem Treffen von Menschen mit Nahtoderfahrungen während seiner journalistischen „Karriere“  aussprach, und damit nicht unbedingt auf die Begeisterung derjenigen stieß: „Das Licht am Ende des Tunnels, könnte das Licht eines herannahenden Zuges sein“ Dies half ihm jetzt wirklich nicht weiter. Und kurz bevor er sich vor Angst in seine so gut eingetragene Unterhose entleeren konnte, erging es ihm, wie den anderen Baumreisenden. Kurz bevor er in das gleißende Licht eintauchte, hörte er eine sanfte, liebliche Stimme in seinem Kopf, die ganz leise etwas Beruhigendes säuselte, und verlor das Bewusstsein.

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19 – Ko(s)mische Perlen

Inzwischen woanders …

Ein anderer CLEANER … :

Dämonen … zwar nur ein paar, aber sehr schwierig zu entdecken. Sie übernehmen Körper unschuldiger, liebenswürdiger Menschen und Gräuliches zu tun. Ich muss die Ordnung wiederherstellen, ohne die Lebewesen zu verängstigen. Kann Dämonen nur schwer entdecken … meist erst dann, wenn es schon zu spät ist. Die Dämonen haben sich auf diese Welt geeicht. Sie sind nicht kompatibel zu anderen Welten … bis jetzt … die Anpassung dauert ziemlich lange … ich muss vorübergehend jemanden finden … ich muss jemanden finden, kurzzeitig austauschen … eine Parallelidentität einsetzen … einen Parallel-Allen Fine …“

  • Die Welten sind alle mit einander verbunden. Wie eine gigantische große Kette. Welt an Welt – Kugel an Kugel. Der Faden, also der galaktische Faden wenn man so will, halten die Welten zusammen. An diesen Punkten herrscht eine Verbindung. Diese kann man nutzen, um von einer Welt in die nächste zu gelangen, wenn man weiß, wie …
  • Parallel-Identitäten, die. Unter sogenannten Parallel-Identitäten versteht man Personen, die sowohl in der einen, als auch in einer anderen Welt existieren. Meistens sehen diese 1 zu 1 ähnlich und sind sich auch 1 zu 1 ähnlich. Einzig und allein ihre Singularität unterscheidet sie zu ihrem Ebenbild, die einzig und allein von äußerst hochbegabten Wesen erkannt werden kann.
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18 – Der Kreis schließt sich …

Wir befinden uns in einer vertrauten Umgebung. Schon einmal waren wir auf dem idyllischen Waldweg, der zu einer noch idyllischeren Blockhüte einer uns wohl bekannten Waldexpertin führte. Über diese Vertrautheit und Wichtigkeit der beteiligten Personen, die sich nun erneut begegneten, wussten von dieser nichts. Ja sie wussten nicht einmal davon, dass diese Begegnung erneut stattfand und dann diese leider selten von Bestand hatte. Da entweder einer oder alle ihr Leben schon mehrmals abrupt und nicht ganz freiwillig beendeten. Wie oft diese missglückten Bemühungen der dauerhaften Zusammenkunft schon stattgefunden hatten, wusste letztlich nur einer, wenn überhaupt. Und wenn exakt, dann nur im Unterbewussten. Und dieser  bzw. derjenige welcher, mit dem Namen Ilt, der sich als Gnom bezeichnete, landete mit einem diesmal unsanften und verärgerten „Ding“ gefolgt von einem dumpfen „Plop“ auf ebenjener uns bekannten Waldstraße … Der Grund der Verärgerung war, dass es nicht so planmäßig verlief. Seine Mission war, die Allen Fine und Dr. Susan Popheila zusammenzuführen und zu erretten, und jetzt hat er eine unbekannte und dazu noch äußerst nervig und lästige Person mit im Schlepptau. Als ob nicht schon genügend nicht definierbare Variablen seine Mission störten, von der er sowieso nicht wusste, wie er sie aus der Gefahrenzone des Cleaners dieser Welt erretten konnte, ohne diese zu verlassen. Und er wusste leider überhaupt nicht, wie er dies anstellen sollte, da er selber auch nicht mehr wusste, wie er auf diese Welt gekommen war. Und ehrlicherweise dachte er, wenn er diesen Omeziometer nicht bei sich hätte, der ihm ermöglichte durch Raum und Zeit (innerhalb einer Welt) zu springen, langsam angefangen hätte, sich selbst für verrückt zu erklären. Aber mit diesen Gedanken war er ja nicht allein. Allen Fine und die reizende Assistentin Bridget  Kabolskiw (habe ich schon erwähnt wie reizend sie war … um nicht zu sagen: nicht nur wunderschön, sondern dazu noch verdammt sexy, aber nicht so oberflächlich, sonder verdammt elegant und dazu richtig, richtig heiß …) materialisierten direkt neben ihm. Als die Wirkung des Schleiers nachließ, meinte Bridget in ziemlich ihr untypisch nicht damengemäßen Unterton: „Was … heilige Scheiße … wie …“

… das möglich ist?“ ergänzte Allen Fine. Allen war sehr besorgt um Bridget. Und er wollte gerade beginnen ihr alles zu erzählen als Ilt unterbrach: „Okay Leute, wir haben keine Zeit. Wie euch bestimmt schon aufgefallen ist, sind diese kleinen Biester des Cleaners verdammt schnell, um durch die Erde zu krabbeln und Bäume zu übernehmen. Der Cleaner ist überall, deswegen weiß er auch sofort, wo wir sind und uns sofort zu eliminieren beginnt. Und dazu gehört jetzt leider auch das Schätzchen, dass Du jetzt mit reingezogen hast. Schließlich ist sie jetzt auch Zeugin von etwas, dass auf dieser Welt gar nicht sein darf: Teleportation und mordende Bäume. Mein Plan: Wir überlassen dieses Schätzchen hier ihrem Schicksal, machen uns schleunigst auf zu Dr. Popheila Bridget!

 

Das kommt gar nicht in Frage!” antwortete Allen äußerst erzürnt. “Außerdem, wie sieht unsere Zukunft überhaupt aus? Wollen wir jetzt den Rest unseres Lebens damit verbringen, in dem wir ständig auf der ganzen Welt herum teleportieren? Der Typ ist ja überall? Oder sollen wir den Rest unseres Lebensweit entfernt von jeden Pflanzen in der Wüste verbringen?

Allen bemerkte, wie Ilt der letze Gedanke gerade zu gefallen schien: “Interessanter Gedanke, aber jetzt müssen wir zu Dr. Popheila!

Und Mrs. Kabolskiw kommt mit!” ergänzte Allen trotzig, aber bestimmend. Bridget bemerkte, wie Allen sich für sie einsetzte, auch wenn sie immer noch nicht so recht verstand und dachte sie hätte irgendwelche Wahnvorstellungen. Auf jeden Fall entwickelte sie starke Sympathie und fühlte sich durch Allen beschützt. Während Sie in Ilt nach wie vor eine Bedrohung sah.  Also tat Bridget Kabolskiw etwas für sie ungewöhnliches. Sie durchbrach ihren taffen Panzer der knallharten Karrierefrau, gab sich weiblichen Ritualen hin und schmiegte sich an ihren im Moment ach so stark und maskulin wirkenden Beschützer.

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17 – Aufsteigender Hass

Irgendwo anders … weit weit weg von unserer Zeit … unserem Raum … unserer Welt. Ein junger Mann kommt spät von der Arbeit nach Hause. Ein langer Arbeitstag geht zu Ende. Abgespannt, von dem Konkurrenzkampf in der Firma, der Erwartung das er All-Zeit-Bereit zum Wohl der Firma und seiner Chefin arbeitet, sein absolutes Maximum an Engagement jederzeit bringt. Seine Kinder kommen zu kurz … von seiner Lebensgefährtin ganz zu schweigen … Im Briefkasten erwarten ihn Rechnungen. Das Geld knapp, das Konto schon lange im Dispo … Keine Kraft sich noch auf eine Abendveranstaltung seines Arbeitgebers zu schleppen … missbilligte Blicke des Teams … mit schlechtem Gewissen auf dem Weg nach Hause. Mit der Gewissheit auch keine Kraft für seine Kinder zu haben. Dennoch Freude auf seine Familie … leise öffnet er die Haustüre … die Kinder schlafen ruhig in ihren Bettchen … Welch‘ beruhigender und wohliger Anblick. Vorsichtigen Schrittes schleicht er in Richtung des gemeinsamen Schlafzimmers, in Vorfreude und auf dem Weg zu seiner Frau.  Auf eine sanfte Umarmung … das Gefühl von Geborgenheit … ein Hoffnungsschimmer. Ein Lichtschimmer durch den Spalt der Türe. Ein vorsichtiges Öffnen … Da liegt sie … die Frau seines Lebens … sein Ein-und Alles. Ein sanftes Streicheln über die Wange. Ein sanftes Regen, eine Harmonie eines sinnlichen Körpers der sich sanft an die vertraute Hand schmiegt … die Augen geschlossen, wohl wollend den Liebsten spürend … ein Lächeln … im Schlaf. Die Augen zu … eingeschlafen, auf den Liebsten wartend. Ein wohliges Gefühl steigt in ihm auf … dann … dann ein Regen, ein Zucken im Körper … ein abruptes Rütteln in seiner Existenz … im Raum-Zeit-Gefüge … ein Brennen in seinem Körper … dieses Brennen verteilt sich ruckartig in seinem Ganzen … Wut, Hass, Zerstörung erfüllt sein selbst, seine Augen verändern sich in etwas in etwas Leeres, die Stirn runzelt sich in etwas Böses. Seine Hände durchströmen Macht … unglaubliche Macht … Stärke … die Kraft Leben zu beenden. Sie packen zu. Um den Hals seiner ehemals Geliebten für die er nur noch zu tiefste Abneigung empfindet. Er drückt zu. Das wohlige Lächeln entweicht. Der Atem strömt aus. Das Entsetzen in den sich nun öffnenden Augen ist ganz groß … doch zu spät … das Zucken lässt nach … nur noch das Knacken des Halswirbels ist zu hören. Er hört ein Lachen … ein entsetzliches Lachen … es ist sein eigenes. Er begibt sich hinunter zu seinen Kindern. Mit der Vorfreude auch deren Lebenshauch aufzunehmen. Er wandert zu ihnen … Auf dem Weg dorthin blitzt ihm ein Messer aus der Küche entgegen. Er schnappt es und begibt sich zum Kinderzimmer ….

 

Später ist in der Tageszeitung von einem Familiendrama zu lesen, in denen ein bis dato als liebevoll geltender Familienvater seine zukünftige Frau, die er demnächst heiraten wollte, erdrosselte und die Kinder, mit denen er in der Öffentlichkeit so liebevoll spielte, mit einem Messer abstach. Von ihm fehlt jede Spur … verschollen, wie vom Erdboden verschluckt. Die Fußspuren endeten im Keller … abrupt. Dann nur noch Reste eines Brandes. Zu klein, als das er sich hätte selbst verbrennen können. Spekulationen, Erklärungsversuche, sowohl für die Tat als auch das Verschwinden. Keine Rationalisierung und Generalisierung möglich. Der Pöbel aufgebracht, ihn hängen, foltern und vierteilen wollend. Zumal die Nachbarn nur ein grauenvolles Lachen hörten.

 

Wo war er … einer wusste es … es wusste der dieser Welt zuständige CLEANER! Wie er hieß stand in der Zeitung. Er hieß Allen Fine … ein beliebter und sehr erfolgreicher Journalist und Chef einer großen Zeitung …


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16 – Nächtliche Überstunden

Allen war der Fahrstuhl schon ziemlich vertraut. Anfänglich dachte er noch, dass dies eine Nachwirkung des „Schleiers der Geborgenheit“ sei. Doch er irrte. Als sich die Türen öffneten wurde er sich dessen bewusst. Er befand sich in der Etage seines Arbeitsplatzes. Es war schon weit nach Redaktionsschluss. Es war spät sehr spät. Doch zunächst musste er seinen ersten Teleportationssprung verarbeiten. Und das vollzog sich ungefähr so:

 

Oh Mann, Oh Mann o Mann. … Oh Mann oh Mann oh Mann …“  [an dieser Stelle kürzen wir ein wenig ab] „… Bäume, die mich verfolgen, ein Gnom und ein Sprung durch Raum und Zeit. Das ist so verrückt … so verrückt kann gar keiner sein. Das muss einfach wahr sein. Apropos Zeit, was passiert eigentlich wenn ich mich selbst treffe und ist so ein Sprung  nicht gefährlich? Ist an meinem Körper noch alles dran oder bin ich von innen nach außen gestülpt, wie der Affe in dem Film ‚Die Fliege‘?“ Schnell starrte er an sich herab. Alles schien in Ordnung zu sein. Zumindest auf den ersten Blick. Außerdem war er noch total High von dem Schleier der Geborgenheit. Und er hatte eine mordsmäßige Erektion.  War dies ein Nachwirken des Sprungs? Wie lange würde sie andauern? Wurde er jetzt größer?

Als ob der Gnom Gedanken lesen konnte (obwohl er nur diesen Blick von Erst-Springern kannte und ganz und gar nicht Gedankenlesen konnte) flüsterte er: „Das ist eine ganz normale Reaktion von Probanden die teleportieren. Eine Nachwirkung des Schleiers bzw. des absoluten ‚High‘-Gefühls. Geht auch Frauen so. Manche von Ihnen gehen tierisch ab nach einem Sprung mit mir … Du bist doch hoffentlich nicht schwul, oder!?“

Allen winkte ab, der Gnom seufzte erleichtert und er trat vorsichtig aus dem Fahrstuhl heraus. Er befand sich an seiner Arbeitsstelle. Nur war sie diesmal etwas ruhiger als sonst, im Dämmerlicht der Nacht. Er schlich in Richtung seines Schreibtisches. Er musste die Adresse der Waldexpertin Dr. Popheila noch in seinen Unterlagen haben. Er begann seine Schubladen zu öffnen und in dem Zettelwust, welcher sich darin befand, zu wühlen. Ilt stand hinter ihm. Kein Wunder das er keinerlei Informationen von dem Computer bekommen hatte. Wenn Allen die Adresse nicht in den Computer eingibt, hatte dieser keinerlei Zugriff darauf. Und unter der alten Adresse war sie seit der „Invasion“ der Presse schon lange nicht mehr zu finden.

Während es Suchens begann Allen ein wenig klarer im Kopf zu werden. Die Nachwirkungen des Schleiers endeten nun vollständig. Während er so suchte musterte er nebenbei die Umgebung. Ihm vielen die Überwachungskameras und der Sicherheitsdienst im unteren Teil des Gebäudes ein und natürlich die übereifrigen Neulinge und die alten Workaholics, die ab und zu des Nachts auch gerne arbeiteten. Nun musterte er die Gegend deutlicher und erkannte, dass in dem Büro seines Chefs noch Licht brannte. Er bemerkte auch den geöffneten Türspalt. Er wurde extrem nervös. Er blätterte schneller und fand endlich den gewünschten Zettel. Er flüsterte: „Ilt, ich hab’s wir können …“  Doch als er sich umdrehte stand dort gar nicht mehr Ilt, sondern …

 

Inzwischen gruben sich kleine Würmchen aus der Wiese in der Nähe eines kleinen Parks. Diese Würmchen wuselten weiter über die Straße in die Richtung eines uns vertrauten Gebäudes einer großen Zeitung. Sie huschten weiter um sich in Richtung des Belüftungsschachtes aufzumachen und dann hinaufzusteigen, denn sie hatten einen Auftrag: Das Übernehmen eines oder mehrerer wenig intelligenter Lebewesen, um dann ihre Ziele zu terminieren …

 

… Mrs. Kabolskiw, die reizende Assistentin seines Chefs. Ihre atemberaubende und sehr berauschende Schönheit wurde in dem Abendlicht mehr als unterstrichen. Sie war diesmal etwas legerer gekleidet. Zwar hatte sie noch immer einen strengen Zopf und war perfekt geschminkt, aber sie hatte etwas Bequemeres an. Aber immer noch mit Stil. Es war eine einfache weiß rosa karierte Bluse und eine blaue Jeans und angenehme Turnschuhe. Selbst ohne High-Heels, Minirock und tiefen Ausschnitt wirkte sie unheimlich erotisch. Wenn nicht sogar noch mehr. Sie sah nicht mehr so weit, weit weg und unerreichbar aus. Sie musterte ihn streng von oben bis, ja bis auch zur Wölbung seiner Hose. Sie wandte aber seinen Blick schnell wieder in sein Gesicht. Sie wirkte, wie gesagt, streng, aber auch ein klein wenig ängstlich, denn Sie war sehr verwundert ihn hier anzutreffen.

Soll ich gleich den Wachdienst rufen, oder soll ich Sie erst einmal mit einem Tiefschlag außer Gefecht setzen … Was zum Geier machen Sie so spät hier?

Allen Fine fiel nichts Originelleres ein als: „Das könnte ich Sie auch fragen!

Sie starrten sich an … ein klein wenig Erleichterung kam auf.

Okay, okay, ich verfolge eine heiße Spur, wegen der verschwunden Bäume. Ich will unbedingt ein Interview mit dieser Waldexpertin führen … es sind Dinge vorgefallen, die …“ Allen stoppte abrupt. Alles könnte er ihr nicht erzählen, sonst würde Sie ihn gleich in die Klapse stecken. Er würde sich ja selbst nicht glauben.

Jetzt blickte sie auf einmal sehr interessiert und verständnisvoll. Ich bemerkte ihre Hand in ihrer Handtasche, die sich jetzt etwas zu entspannen schien. Das änderte sich schlagartig, als es hinter ihr raschelte. Erschrocken sah drehte Sie sich um und entdeckte Ilt neben einer Grünpflanze, der aus seinem Versteck hervortrat. Komplett angespannt rief sie: „Wer ist das?“ Ilt sah zugegebenermaßen in diesem Moment ziemlich furchteinflößend aus, auch wenn er eine sehr hagere und geduckte Erscheinung war. Aber er wirkte sehr angespannt, nervös und sah aus wie jemand der unbedingt seine Mission erfüllen musste. Und jeder oder jede Situation, der dem Erfolg der Mission im Wege stand musste auf der Hut sein. Denn Störungen galt es auszuweichen und auch zu beseitigen, falls es die Situation erforderte. Und Bridget Kabolskiw war eine Störung bzw. jemand, der nicht in seinen Plan passte und den unbedingten Erfolg seines Handelns hinaus zu zögern oder gar zu scheitern drohte. Und genau dies strahlte er auch aus. Natürlich spürte das Mrs. Kabolskiw und zog den Gegenstand, den sie gerade noch entspannt aus ihrem Griff gelockert hatte, doch wieder extrem angespannt aus ihrer Handtasche heraus. Es war ein Pfefferspray. Ängstlich, bedrohend und hysterisch zugleich drängte sie auf Antwort: „Mr. Fine, wer ist das, was geht ihr vor!?“ Zu gerne hätte ich ihr Allen alles erklärt, aber dazu blieb keine Zeit und es hätte die Situation wahrscheinlich nicht wirklich gelockert, ganz im Gegenteil, denn er hätte wie ein Irrer sich angehört, denn die ganze Geschichte war ja auch im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich. Allen wollte gerade seine kurz andauernde Sprachlosigkeit mit beruhigenden Worten unterbrechen, als Ilt sich einmischte, der wieder nervös von seinem leicht vibrierenden Omeziometer aufblickte: „Lady, Sie sehen zwar heiß aus und denken wahrscheinlich sie wären eine extrem wichtige Persönlichkeit, aber Sie sind definitiv ein Störfaktor für meinen Auftrag. Also schieben sie ihre süßen Hintern aus dem Weg, gehen sie nach Hause und tun Sie einfach mal so, als ob nicht Sie das wichtigste Wesen auf der Ihnen bekannten Erde sind … denn das ist z. Zt. eine andere Person[Tobias Sc1] !“ Mit diesen Worten blickte er kurz auf Allen. Der immer noch verzweifelt dastand und versuchte die Situation und seinen Job irgendwie zu retten. Ilt tat leider ganz das Gegenteil. Er verschlimmerte sie, wirkte bedrohlich, auch für ihn. Ein Mann, der für seinen Auftrag über Leichen geht. Außerdem vibrierte schon wieder dieses Omeziometer und als es das letzte Mal damit losging wurde er beinahe von einem Baum erschlagen. (Sowohl aktiv, als auch passiv) .

Mrs. Kabolskiw berührte war kurz davor den „Abzug“ des Sprays zu betätigen: „Okay, keiner von euch rührt sich. Ich warne euch! Ich rufe jetzt den Sicherheitsdienst und wer es wagt auch nur einen Meter auf mich zuzugehen, dem werde ich …“ Weiter kam sie nicht. Ilt sah erschrocken hinter Sie, in Richtung einer großen Zimmerpflanze, die leicht zu rascheln begann. Bridget Kabolskiw drehte sich ebenfalls um, da sie glaubte ein weiterer Durchgeknallter mit Erektion würde hinter hier stehen. Ilt  nutzte diese Unachtsamkeit, hechtete vorwärts und warf sie zu Boden. Ein Gerangel um den Pfefferspray nahm Ihren Gang. Bridget war blass vor Schreck, gab aber lange noch nicht auf. Sie steckte voller Kampfesgeist, in jeglicher Beziehung. Sie rammte schließlich ihr Knie zwischen die Beine von Ilt. Dies beendete nicht nur abrupt seine Erektion, sonder auch seine Stärke, sie länger festzuhalten. Außerdem war es an der Zeit für ihn, vor Schmerz zusammenzuzucken, aufzuheulen und Flüche auszuschreien, die ich auf Grund des Respektes vor der Frauenwelt und aus ethisch-moralisch und pädagogischer Verantwortung der Jugend gegenüber nicht der Jugend mitteilen möchte. Allen reagierte unter Schock. Er riss ihr den Pfefferspray aus der Hand, zielte damit auf die beiden und rief „Schluss jetzt ihr beiden! Alles hört auf mein Kommando!“ Erstaunt über diese durchaus maskuline Reaktion, ließen die beiden voneinander ab. Ein bisschen begann Allen diese Macht zu genießen, auch wenn er nicht genau wusste, was er damit bezweckte bzw. wie er weiter verfahren sollte. Ratlos sahen sich alle Beteiligten an. Dann raschelte erneut die Zimmerpflanze und alle sahen sich erschrocken um. In dem Moment hangelte sich ein großes Blatt der Pflanze um den Hals Allens. Dieser wurde herumgerissen. Er drückte am Pfefferspray ab und erwischte die Pflanze. Diese ließ kurz los. Diesen Moment nutzte er, um zu entkommen. Dann sah er es.  Viele kleine weiße Würmchen drängten von sämtlichen Luftschächten herein und begannen die Zimmerpflanzen für sich zu entdecken und zu okkupieren. Sie waren umzingelt. „Was geht hier vor?“ fragte Bridget verzweifelt? Ilt blickte nicht mehr ganz so schmerzverzehrt, dafür misstrauisch und angespannt um sich. Er wollte gerade mit seiner Hand zum Omeziometer greifen, da wurde er von Bridget festgehalten: „Sie sind dafür verantwortlich!“  Dann wurde er von weiteren Ranken erfasst. Allen stürmte auf ihn zu, riss ihn aus der Umklammerung, umarmte die beiden, drückte wie wild auf dem Omeziometer, schloss die Augen und dachte nur noch an die Adresse der Waldexpertin, die er zuvor notiert hatte. Dann begann die Hoffnung in ihm aufsteigen, dass dies funktionierte und dann … dann begann dieses wohlige Gefühl aufzusteigen. Das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit, dass ihm nichts passieren könne … und selbst wenn, wie egal dies alles sei … in Bezug auf Raum und Zeit und … so.

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15 – Ein Baum trifft eine Entscheidung

Er konnte es kaum glauben was er gerade durchmachte. Er hatte gerade seine schlimmste Erfahrung durchgemacht, dabei war er noch gar nicht so lange auf dieser Welt. Er wurde von seiner Familie abgelehnt. Er spürte, dass es seinen Artgenossen relativ egal war, ob er mit Ihnen wanderte oder er eine andere Richtung einschlug. Und ihm missfiel, dass sie Leben zerstörten, anstatt es zu genießen. Wieso rannte er Ihnen hinterher, was sollte das überhaupt. Vielleicht waren diese „Monstren“ gar nicht seine Familie, nur weil sie so ähnlich aussahen wie er. Genau, vielleicht gab es ja noch andere Freidenker da draußen. Nein, er würde jetzt nicht aufgeben und sich hängenlassen. Er würde sich aufmachen und sich andere individuellen Bäume und diesmal mit Schöngeist aufsuchen. Ja, mit denen würde er sich bestimmt besser verstehen. Er würde ab sofort seinen eigenen Weg gehen. Aber … neugierig war er schon wohin sein Kollegen so abrupt gegangen waren, nachdem sie ständig in eine Richtung gegangen waren und diese plötzlich so abrupt wechselten. Also was soll’s. Er war so lange mit Ihnen mitgetrabt,  dann machte er dies eben noch ein Weilchen, bis ihm etwas Besseres einfiel. Da musste er sich aber jetzt beeilen. Er rannte und rannte. Zum Glück hatte er die Eigenschaft relativ lange rennen zu können. So etwas wie mangelnde Ausdauer kannte er nicht wie andere Lebewesen. Von weitem sah er, wie seine ehemalige Baumfamilie einen Wald betrat. Es sah schon ziemlich eigenartig aus, wie sie neben den starren Bäumen vorbeiliefen. Denn optisch waren sie voneinander gar nicht zu unterscheiden. Tja, leider standen einige von den bewegungslosen im Weg und wurden recht unsanft zur Seite geworfen. Ältere, morschere von Ihnen zerbarsten beim Aufprall. Echt Schade. Das durfte nicht sein. Nein, nein, nein. Die armen Tiere die unter auf oder neben Ihnen wohnten nahmen Reis aus. Die Langsameren wurden zerquetscht. Die Vögel schimpften verächtlich vom Himmel herab. Er konnte sie verstehen. Mit welcher Dreistigkeit die Baumwesen vorgingen.  Einfach zu entscheiden wann ein so wundervoll begonnenes Leben einfach so zu beenden, weil es Ihnen im Weg war. Schlimm, sehr schlimm. Er holte alles aus sich heraus. Er lief schneller … noch schneller … so schnell er nur konnte. Sie durften nicht noch mehr Lebewesen töten. Er versuchte Ihnen zu verstehen zu geben, dass sie damit aufhören sollten. Er holte ein paar von Ihnen ein, stellte sich vor Ihnen, doch sie rempelten ihn nur um. Er stand auf lief weiter und weiter vor und er sah nur noch auf entfernter Lichtung an einem Bach zwei Menschen stehen. Die angsterfüllt um sich blickten. Ein toter Stamm flog auf sie zu und in einem kurzen Moment des transparenten Zustands durch sie hindurch. Dann machte es ganz leise Blob und sie waren weg. In Luft aufgelöst. Die wandelnden Bäume an vorderster Front sahen sich um und es schien so, als zuckten sie mit der Schulter. Dann blieben sie stehen. Genauergesagt sie blieben abrupt stehen. Genauso abrupt wie zuvor, als sie plötzlich die Richtung wehselten, nur dass sie diesmal eben nicht die Richtung wechselten. Sehr, sehr merkwürdig. Keiner von Ihnen regte sich mehr, so als ob sie schon immer hier gestanden hätten. Ihre Wurzeln begannen sich tief in die Erde wieder einzugraben. Er dachte schon sie wären am Ziel Ihrer Reise angekommen, sie würden hier bis zu Ihrer Verrottung verweilen, Frieden mit sich und Ihrer Umwelt schließen und das böse Abschlachten hätte ein Ende … aber nein. Aus den Ritzen der Rinden rekelten sich ritze … eh klitzekleine Raupen zu Tausenden (pro Baum) hervor um sich blitzschnell in die Erde einzugraben. Ein kalter Schauer überkam ihn. Irgendwie hatte er das Gefühl, das diese kleinen Würmchen die „Seelen“ dieser Bäume gewesen sein könnten und sich diese aufmachen, um irgendwo Wiedergebohren zu werden. Das Morden nahm noch kein Ende und er konnte nichts dagegen tun. Aber vielleicht diese Menschen, die entkommen konnten. Warum verfolgten seine Artgenossen diese und wieso kam er Ihnen so bekannt vor. Irgendetwas, tief, tief in seinem Gedächtnis mit grauem Schleier umhüllt, wollte hervor. Nein es war gar nicht sein Gedächtnis, es war eine Stimme in seinem Unterbewusstsein, welche er bisher erfolgreich verdrängte. Diese Stimme wurde lauter und diese befahl ihm in tiefem hasserfüllten Grollen: „Töte ihn, Allen Fine und jeder der ihn unterstützt. Töte ihn, Dr. Susan Popheila und den Gnom. – Halt! – Den Gnom schände nur und bring ihn dann zu mir! Er soll zuerst mit ansehen wie alles wofür er steht qualvoll getötet wird, bevor ich Ihn genüsslich über Äonen[1] von Jahren zerquetschen werde. Dein Herr und Meister befiehlt es Dir. ICH BIN DEIN CLEANER!“

 

Unser Baum begann auch wie seine Brüder (und Schwestern!?) zuvor angewurzelt stehen zu bleiben, ohne sich zu bewegen und begann nachzudenken …



[1]              [griechisch aion »Zeit«] das, Plural Äonen, Ewigkeit, Weltalter.

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14 – ??

Allen‘s Haare tropften. Aber die Sonne schien angenehm warm auf sein Haupt und begann es zu trocknen. Allmählich begann er sich selbst, seine Mitmenschen und den Rest der Welt für verrückt zu erklären. Alles war so unfassbar, aber dennoch schien es irgendwie plausibel zu sein. Als Journalist musste man lernen auf seine Intuition zuerst zu vertrauen, dann sich voll und ganz auf seine Menschenkenntniss verlassen … dabei musste sich der Intellekt hinten anstellen. Warum also nicht auch jetzt. Er spürte, dass er diesem „Gnom“, der ihn beinahe ertränkt hätte, trauen konnte. Zumindest jetzt. Er verspürte Erleichterung, da er jetzt Gewissheit hatte, dass er vielleicht doch nicht verrückt war oder ihm dies zumindest keine Gedanken zu machen schien. Außerdem waren viele sein Fragen beantwortet, denn als Journalist hasste er unbeantwortete Fragen. Aber dennoch hatte er Angst vor dem Cleaner. Plötzlich hob Ilt seinen Kopf. Er sah aus wie ein Wolf, der eine Witterung aufnahm. Dann breitete er sein Hände aus und sprach: „Wir müssen gehen sofort, eine Anomalie ist auf dem Weg zu uns, eine gewaltige …“ Dann blickte er auf seine Uhr die leicht zu vibrieren begann, welches sich allmählich zu steigern begann. Da war sie wieder. Die Panik, die in mir aufstieg:

Okay, in welche Richtung laufen wir …

Laufen? Paah, niemand ist so schnell wie ein Cleaner. Seine Boten sind bald da!“ Er blickte in Richtung des Waldes in dem jetzt lautes Knacken zu hören war. Vögel stoben auf und fliegen unter lautem Protest davon. Einige aufgehetzte Eichhörnchen, Hasen und sogar Insekten nahmen in eine Richtung reis aus. Die Fische im Wasser schwammen zunächst aufgeregt hin und her und schließlich gemeinsam in eine Richtung: Weg von uns bzw. Weg von etwas, dass auf uns zukam. Bäume begannen zu knacken, einige fielen um. Das Vibrieren am Handgelenk von Ilt wurde lauter und lauter. Dann packte er mich an meinem Oberarm und rief: „Nächste Station: Weg von hier, aber Dalli!“ Dann betätigte er mit seiner anderen Hand einen Knopf an seiner Uhr. In dem Moment sah ich, wie die Bäume zu einer Schneise auseinanderbrachen und dahinter sich viele, viele wutentbrannte Bäume ihren Weg auf uns zu bahnten. Zwei von Ihnen schleuderte einen Stamm direkt auf uns zu … Ich wollte gerade die Augen schließen doch dann ereignete sich ein faszinierendes Ereignis, dass mich davon abhielt, meine Lider doch noch zu schließen. Wir wurden durch einen sanften Ruck leicht vom Boden angehoben. Vielleicht gerade mal einen Zentimeter. Dann wurden wir durch einen wärmenden sich beruhigend auswirkenden Schleier eingehüllt, der einem das Gefühl von Geborgenheit, Wärme und auch Sicherheit gab. Der Stamm flog durch uns hindurch. Dann machte es „Blobb“. So ähnlich wie ein Sektkorken und dann machte es plötzlich „DingDong“, wie in einem Fahrstuhl. Und plötzlich standen wir in einem. In einem der mir sehr vertraut vorkam. Der „Schleier der Geborgenheit“ verschwand und wir landeten unsanft – zwar nur aus ein Zentimeter Höhe – aber dennoch unsanft auf dem Boden. Mit dem Schleier verschwand leider auch das Gefühl von Sicherheit. Die Angst wich langsam zurück, dafür machte sich erneut das Gefühl von Verwirrtheit breit. Erneut machte es „DingDong“. Aber diesmal vom Fahrstuhl aus. Die Türen öffneten sich …

 

Der Schleier der Geborgenheit – so nennt man diesen Schutzmechanismus während des „Transports“ durch Raum und Zeit. Die 4 Dimensionen. Man wird sanft angehoben, um Schürfwunden an den Füßen zu vermeiden. Denn während dieses „Transports“ ist man für kurze – für sehr, sehr kurz Zeit (genauergesagt kürzer als die kürzeste Zeit die man sich nur vorstellen, geschweige denn beschreiben kann) an allen Dimensionen gleichzeitig. Und das würden die Fußsohlen nur sehr schwer aushalten. Zusätzlich gibt einem dieser Schleier – also das Feld um den schwebenden Körper herum – das Gefühl von vollständiger Gelöstheit, Entspannung, Ruhe und inneren Frieden. Ohne dieses Gefühl würde der Anblick den intelligentesten Verstand in absoluten Wahn bzw. in die totale Irrwitzigkeit für alle Zeiten verbannen. Es gab einige schlimme Unfälle, wo das Schild nicht zu 100% funktionierte und diese immer noch wie blöde vor sich hin sabbern und das bald eintretende Vergessen des Atmens ihn die Erlösung brachte. Der Nachteil eines perfekt funktionierenden „Gute-Laune“-Schleiers ist der, dass es wahnsinnig süchtig macht. Egal welche Grundvoraussetzung man mit bringt: Depression, Liebeskummer, Selbstzweifel, ständige Geilheit und auf der Suche nach dem ultimativen Fick … eh … Kick. Es wird das Gefühl des Nirvanas[1] im  buddhistischen Sinne erreicht. Wer will nicht um jeden Preis diesen perfekten Zustand der höchsten Form des Daseins erreichen und ihn, wenn er erreicht wurde, nicht gleich wieder verlieren? Es bedarf harter Trainings um dieser Versuchung zu widerstehen. Bei diesen Trainings muss man während des Transports emotional total abstumpfen. Fritten, Bier und das tägliche Glotzen bescheuerter TV-Shows soll hierbei angeblich ungemein helfen. Trotzdem hilft dieses harte Training nicht auf Dauer. Der Härteste erliegt irgendwann diesem Gefühl und hat totale Entzugserscheinungen beim Abbau dieses Feldes, welche ihn ebenfalls in den Wahn stürzen …

Kurzgesagt, Teleportation durch Raum und Zeit, oder nur Zeit, oder nur Raum ist ziemlich leichtsinnig, um nicht zu sagen bescheuert …



[1]              Im Buddhismus bedeutet Nirvana das Erlöschen der Begierde, des Hasses und des Nichtwissens, der drei Quellen allen Leidens. Nirvana ist jedoch nicht mit dem Nichts gleichzusetzen, sondern ist »des Leidens Ende«, der einzige unwandelbare Daseinsfaktor. Als die Befreiung aus dem Kreislauf der Geburten (Samsara; Seelenwanderung) ist es die absolute, unpersönliche letzte Wirklichkeit. Das Erleben des Nirvana ist dem Erlösten schon in diesem Dasein möglich. Mit dem Eintritt des Todes verbürgt es die Unmöglichkeit, in einer individuellen Existenz wiedergeboren zu werden.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2008

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13 – Ein Baum auf Abwegen

Nanu, wo wollen denn alle hin?“ fragte er sich. „Das gibst doch gar nicht. Endlich habe ich andere meiner Art getroffen. Ich habe versucht irgendwie mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Es ging nicht. Zumindest nicht so, wie ich es wollte. Sie verstanden mich nicht. Nun gut, auch die anderen Lebewesen verstanden mich nicht. Schließlich habe ich ja auch kein Maul, Mund oder ähnliches zur Verfügung. Manchen fehlte einfach der Intellekt. Und andere die Intellekt hatten, um mich zu verstehen (ich glaub die wurden Menschen genannt) hatten keine Chance was zu sagen bzw. die erste Reaktion war entweder Sprachlosigkeit oder Schreien. Und wenn von den wenigen Menschen denen wir bisher begegnet sind, jemand etwas sagen wollte, dann … ja dann haben meine Artgenossen sie zermalmt und verschachert, versenkt oder dergleichen. Mmmh, meine Ethik- und Moral-Vorstellung ist gerade erst in der Entwicklung. Schließlich habe ich noch nicht sooo lange ein Bewusstsein. Aber doof finde ich es von meinen Verwandten schon, dass Sie jeden vernichten, der nicht von ihrer Art ist. Naja, schließlich bin ich ja der einzige der so denkt – der Sonderling in der Familie. Vielleicht strafen Sie mich ja deshalb mit Schweigen.

Der Baum, der plötzlich mit einem Bewusstsein erwachte, war schon ziemlich weit in seiner Entwicklung. Und schon war er mit Trauer und Andersartig-Sein konfrontiert. Er wusste nicht zu wem er gehörte, wo hin er gehen sollte. Er traf auf seiner Wanderschaft plötzlich viele seiner Artgenossen, doch die bewegten sich nicht. Umso erfreulicher war er, dass er plötzlich ebenfalls sich bewegende Bäume erblickte. Ja, sogar richtig mobile, agile seiner Art getroffen zu haben. Die sich akribisch in eine Richtung bewegten. Er freute sich so sehr sie endlich gefunden zu haben. (Zu seiner Reise in einem anderen Buch mehr ) Er wollte Ihnen wunderschöne Flora und Fauna, das Leben und den ganzen Rest mit Ihnen teilen, Ihnen zeigen was er alles entdeckt hatte. Und sie, sie trampelten einfach alles nieder und Lebewesen wurden kurzum terminiert. So als ob niemand etwas über sie berichten dürfe. Er hatte keine Ahnung wohin die Reise ginge. Welches Ziel seine „Familie“ hatte. Er war hin- und hergerissen, zwischen seiner entstehenden Ethik- und Moralvorstellung, seinen philanthropischen Ansichten und der Zugehörigkeit, seiner Bestimmung, seiner Aufgabe. Ist denn alles, was seine Art macht, da sie alle das gleiche tun, richtig? – Er wusste es nicht, noch nicht. Und während er hin- und her überlegte standen seine Kollegen plötzlich alle still:

Heh, as ist denn los? Ihr wandert doch schon seit einer Ewigkeit in ein- und dieselbe Richtung. Warum bleibt ihr denn alle so abrupt stehen? Was soll ich tun? Irgendetwas stimmt hier doch nicht … antwortet mir doch bitte …“  Ratlosigkeit machte sich in ihm breit. Keine Idee, wie es weiter gehen sollte, wqas er tun sollte. Und dann plötzlich … drehte sie sich alle um, sie machten kehrt und rannten in eine völlig neue Richtung! „Was soll denn das jetzt, warum geht ihr denn jetzt wieder zurück? Sagt doch endlich was! Euer permanentes Geschweige ist ja gar nicht mehr auszuhalten! Na, wenn ihr es so wollt‘, ich behalte meine Richtung bei!“ Wutentbrannt ging er die andere Richtung weiter. Aus Trotz … und in der Hoffnung das einer seiner Verwandten ihn zurückholte. Vielleicht brach dies ja das Schweigen … und eine Familie hält doch zusammen und lässt niemals eines ihrer Kinder zurück! Er rannte noch ein bisschen. Bestimmt würden gleich einige hinterherrennen. Er blickte sich um. Keiner von Ihnen folgte ihm. Sie rannten zwar, jedoch genau in die andere Richtung wie zuvor. Sie waren schon ziemlich weit entfernt „Oh wartet doch …  ich hab’s verstanden … ich geh’ euch doch nach versprochen … Bitte, so wartet doch auf mich!“ Er spürte Angst, große Angst vor dem Alleinsein. Hätte er Augen mit Tränendrüsen gehabt … wären jetzt sicherlich scharenweise Tränen gekullert … Er rannte Ihnen nach. Sie waren schon ziemlich weit weg. Er rannte und rannte um sie einzuholen … doch unerbitterlich ging seine Familie immer weiter und weiter … bis sie schließlich kaum noch am Horizont zu sehen waren …

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