Was war geschehen? Kurz nachdem Allen, Ilt, Bridget, Susan und unser Freund der Baum in den Abgrund sprangen und buchstäblich vom Erdboden verschluckt wurden, standen die Verfolger nur dumm rum. Die ersten von dem Haufen Wald sprangen hinterher, jedoch schloss sich das Portal vor Ihnen und sie zerbarsten mit lautem Getöse in tausende von Holzsplitterchen. Die kleinen Würmchen, die ihnen das Leben einhauchte, verkrochen sich in die Erde zu ihrem tobsüchtigen Herrscher, dem Cleaner, zurück. Die anderen Würmchen taten dies nach und die restlichen Bäume schlugen wiederWurzeln. Eigentlich könnte der Cleaner der uns bekannten Welt zufrieden sein, denn jetzt sah die Welt wieder so aus, wie sie auszusehen hatte, bis auf ein paar Leichen, für die die Menschen aber eine „normale“ Erklärung finden würden. Aber das war er leider ganz und gar nicht. Es lief nicht nach seinem Willen. Nicht nur, dass er wütend war, dass sich ein anderer Cleaner eingemischt hatte (den wer sonst könnte so ein Portal erschaffen, dass Zugang in eine andere Welt gewährte), sondern auch was das für seine Karriere bedeutete, wenn der andere Cleaner vor dem Ausschuss der Cleaners petzen würde, nach welchen „unnormalen“ Methoden er griff, um seine Welt „normal“ erscheinen zu lassen. Er hatte bis dato eine so blütenreine weiße Weste (zumindest konnte er alles andere vertuschen) aber jetzt? Was würde geschehen, gerade mit seiner beruflichen Karriere? Vielleicht würde er (straf-)versetzt auf irgendeine Welt voll Eis wo sich Einzeller „Guten Tag“ und „Gute Nacht“ sagen würden. Und nun, er musste es irgendwie vertuschen … und er schmiedete auch schon einen Plan. Er musste den Cleaner der anderen Welt diskreditieren. Irgendetwas finden, was bei ihm nicht so lief wie es sein sollte und wenn es da nichts gab musste es eben veranlasst und verschlimmert werden. Er musste den Ruf des anderen Cleaners zerstören. So dass ihm der Rat keinen Glauben mehr schenken würde. Sein Tobsuchtsanfall weit unter der Erde, der die Menschheit in Form von erhöhten und beunruhigenden seismischen Aktivitäten wahrgenommen wurde, ebbte ebenso schlagartig ab, wie er begonnen hatte. Der Cleaner hatte einen teuflischen Plan entwickelt, der ihn zum hämischen Grinsen brachte. Ein Glück das dies niemand beobachten konnte. Denn dann hätte der unglückliche Zeuge dieses grotesken Anblicks schlagartig nicht nur sein Augenlicht, sondern auch seinen Verstand verloren[Tobias Sc1] …
Feuchtigkeit – Allen spürte nichts als Feuchtigkeit um ihn herum. Diese Nässe teilte er mit seinen anderen Wegbegleitern und einem Baum. Alle fuchtelten wie wild in dem Wasser umher, Richtung Oberfläche. Doch wo war oben? War er auf dem Weg nach unten? Seine hektisch aufsteigenden Luftbläschen verrieten ihm, wo die Oberfläche war. Also nichts wie Ihnen nach … Licht, traumhaftes Licht der Sonne. Mit einem hektischen Ruck tauchte er auf. Nach nie hat der nun einströmende Sauerstoff so sehr nach frischem Leben geschmeckt. Unbeschreiblich schön. Manche Dinge weiß man eben erst zu schätzen, wenn man auf sie plötzlich verzichten muss. Vor allen Dingen wenn es sich dabei um lebenswichtige Dinge hielt. Der einzige, der in dem See stand, war der Baum. Und das mit einer Lässigkeit … kein Wunder, er ragte ja auch aus dem See hinaus. Doch was war geschehen? Er blickte sich um, sah in vertraute Gesichter. Darunter zwei attraktive Frauen. Jede auf ihre Art. Sehnsüchtig blickte er zu Susan, fühlte sich jedoch verpflichtet Bridget zur Hilfe zu eilen, die eigentlich ganz gut alleine zu Recht kam, allerdings doch sehr erleichtert war, einen Beschützer in dieser wahnwitzigen Situation zu haben und sich ihrer Rolle als zu errettende Frau gemäß an ihn schmiegte. Ihr Oberteil war mit Wasser durchtränkt und er kam nicht umhin, ihre gar zauberhaften weiblichen Vorzüge nun genauer unter die Lupe nehmen zu können. Aber wir schweifen ab. Was war geschehen. Er erinnerte sich. Sie wurden von Bäumen gejagt, ein Baum rettete sie und Ilt faselte irgendetwas von einem Portal. Sie sprangen in die Tiefe in ein bombastisches Licht. Wurden sanft aufgefangen, von einem sie beschützenden Schleier umhüllt und sanft durch anhaltende Glückseligkeit getragen auf die Erde abgelegt, welches mit einem abrupten Verschwinden des schützenden Schleiers und durch kühles Nass des Sees endete. Und nun? Wo waren sie? Alles sah aus wie zuvor. Nur die sie jagenden Bäume waren verschwunden. Zumindest konnte man an der Klippe niemanden sehen. Und was war mit ihrem Baum? War er nun auch wieder normal? Er rührte sich nicht. Allen sprach mit wenig mit Tendenz zu eigentlich gar keiner Überzeugung, dass er sich jemals wieder bewegen würde: „Hey Baum, bring uns doch bitte an Land!“ Gerade wollte er mit seiner Hand die ganze groteske Situation abwinken, da raschelten plötzlich seine Blätter und pfeilschnell schossen die „Arme“ (bzw. die Äste) so schnell um die im Wasser herum strampelnden Kollegen einschließlich ihn selbst und trugen alle an die Küste. „Abgefahren, er gehorcht Dir, wie ein Schoßhündchen!“ rief Bridget erstaunt und brüskiert amüsiert. „Ich glaube nicht, dass ein mächtiger Baum, der durch eine rasante und nicht für möglich gehaltene Evolution plötzlich einen Geist und einen aktiven Körper entwickelt und uns schließlich vor seinen Artgenossen die freie Entscheidung trifft und uns rettet, ein Schoßhündchen ist!“ erwiderte in einer unerwartet charmanten herab lässigen Art Susan. Mittlerweile war der Baum ein kleines Stückchen durchs Wasser an einen schönen und vor allem trockenen Ort der Küste mit großen ruhigen und doch schnellen Schritten gewandert, und ließ seine diskutierende Fracht sanft auf dem Erdboden ab. „Wo sind wir?“ sprach Allen an Ilt gewandt, um zum einen einen aufkeimenden Streit der beiden Damen zu unterbinden, und zu anderen, weil ihn wirklich interessierte wo er war. Da alles eigentlich genauso aussah wie vorher. Nur mit dem Unterschied, dass er sich jetzt sicherer fühlte … vorerst. Ilt blickte abwechselnd auf seine Uhr … Verzeihung … sein Omeziometer und dann wieder in den Himmel und die Umgebung. Schließlich steckte er Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand in seinen Mund, befeuchtete sie und reckte sie schließlich weit hinaus in die Luft und sprach: „Meinen Berechnungen zu Folge fand ein Raum-Sprung statt. Nein, das ist nicht ganz richtig … Es fand ein Sprung zu einem Parallelpunkt im Raum statt.“ Dabei klang er so fasziniert, wie ein kleines Kind, das gerade beobachten durfte, wie Schokolade in einer Fabrik hergestellt wurde.
Allen: „Das ist ja alles schön und gut … aber kannst Du das bitte auch mal im Klartext sagen?“
Ilt: „Na gut, na gut. Klartext: Wir sind im Endeffekt genau da, wo wir vorher auch waren bzw. sein müssten. Nur mit einer sanfteren Landung. Und, das wir nicht auf der Welt sind, auf der wir sein müssten, sondern einer Parallelwelt, wenn Du so willst: Die Erde Nr. 2. Auch wenn die Nummerierung natürlich immer vom Betrachter abhängt Das Gute ist, dass Omeziometer zeigt keine Gefahr.“
„Also ist der Baum hier unser Freund?“ fragte Bridget erleichtert.
„Jepp!“ erwiderte Ilt, was soviel wie „Ja“ bedeuten musste.
„Warum sind wir hier?“ fragte Bridget.
„Das ist eine sehr gute Frage … um nicht zu sagen eine verdammt gute Frage. Willkommen in meinem Leben! Nach jedem Sprung in eine andere Welt frage ich mich immer erst mal: Was ist meine Mission? Und die im hohen Maße unbefriedigende Antwort ist zunächst fast immer die gleiche: ICH WEISS ES NICHT!“
„Hey alles in Ordnung?“ Allen beobachtete, wie besorgt (oder war es nachdenklich) Dr. Susan Popheila auf den Fluss blickte. Sie waren mittlerweile an einem angenehmen Stück des Flusses angelangt. Eigentlich sah alles ganz friedlich aus. Wenn sie nicht pitschenass wären und schier unglaubliches gerade erlebt hätten.
„Ganz gut … naja, wenn man bedenkt dass ich mit meiner Theorie eines lebendigen Baumes recht hatte und er in seiner ganzen Pracht vor mir steht und ich meinen guten Ruf als Wissenschaftlerin doch nicht wiederherstellen kann, wo ich doch in einer anderen Welt hier festsitze!“ sagte sie in einer wirkungsvoll gespielten Gelassenheit, obwohl sie innerlich zerrissen war.
Allen erwiderte: „Aber ist das wichtig? Können sie nicht jetzt die Chance Ihres Lebens nutzen und diesen lebenden Baum und die restlichen total verwirrenden Sprunglöcher in freier Wildbahn untersuchen? Hey, sie sind Wissenschaftlerin. Ist ihr Ruf wichtiger als die Wissenschaft?“
Ein kleines aber doch so bezauberndes, da erstmaliges Lächeln tauchte auf dem Gesicht von der abgebrühten ehrgeizigen Wissenschaftlerin Dr. Susan Popheila auf und blickte Allen verschmitzt an: „Sie haben Recht! Mein Gott wie recht sie haben! Fokussieren auf die Wissenschaft und nicht dieser emotionale Schwachsinn vom Verfallen ins Selbstmitleid! Ich werde alles genau untersuchen. Ja! Aber dazu brauche ich Geräte …“ Sie blickte zu dem Baum: „… und dieses Prachtexemplar!“ Es schien so als raschle der Baum vergnügt, es könnte aber auch die leichte Brise des Windes, der diesen Fluss begleitete, gewesen sein.
„Welche Ausrüstung?“ fragte Allen.
Susan: „Na die in meiner Hütte!“
Bridget mischte sich ein: „ Die Idee mit dem Unterschlupf in der Hütte ist ja nicht schlecht. Aber ich bin strikt dagegen diesen Baumkiller mitzunehmen!“
Susan erwiderte nachdenklich: „Ich glaube nicht das er ein Killer ist. Er hat uns doch beschützt! Es gibt da nur ein Problem …“
„… das wir nicht wissen, ob ihre Hütte in dieser Parallelwelt existiert. Und wenn …“ unterbrach Ilt.
„… dann ist es nicht sicher ob dies auch meine Hütte ist und selbst wenn, ob ich auch in dieser Welt eine Wissenschaftlerin bin!“ setzte Susan wieder fort.
Beeindruckt meinte Ilt: „Ganz genau! Aber einen Versuch wäre es wert!“
„Aber was passiert, wenn unsere Dr. Popheila auf die andere ‚Was-auch-immer‘-Popheila trifft? …“ merkte Allen besorgt an. „… zerbersten dann alle Welten mit einem bombastischen Urknall?“
Ilt blickte amüsiert: „Mr. Fine, ein bissen weniger theatralische Dramatik bitte … !“
„Und? Was passiert denn wenn zwei identische Personen zweier Welten aufeinander treffen?“ klinkte sich Bridget wieder besorgt in das Gespräch ein.
Ilt meinte ein wenig nachdenklich: „Na entweder das, oder die beiden wären ganz schön verwirrt!“
„Ich dachte sie wären Experte! Das ist ja mal wieder typisch, nur Dilettanten um mich herum!“ fauchte Bridget. „Egal, bringen wir es hinter uns, also wichteln sie uns zur Hütte sie mieser kleiner Zwerg! Sie machen mir keine Angst!“ setzte sie fort.
Übertrieben freundlich erwiderte Ilt: „Gnom gnädigste … nicht Zwerg. Also los zum Transport!“
Sie kamen in einen kleinen Kreis, Ilt bediente das Omeziometer. Es fing an zu summen. Es wurde immer lauter. Ein starker Wind kam auf. Alle Beteiligten schlossen die Augen vor nervöser Anspannung vor dem Sprung. Dann machte es ganz laut „Plopp!“ Wo war der sanfte Schleier? Wo war das leichte Anheben vom Erdboden? Sie machten die Augen auf. Sie waren immer noch an derselben Stelle wie zuvor. Sie alle … Alle außer Ilt. Er war verschwunden!

